Flexible Grundschule und Lerngespräche

Seit 2012 sind wir Flexible Grundschule und verfolgen damit ein pädagogisches Konzept, das auf jahrgangsgemischten Klassen beruht:

  • Die den Kindern aus dem Kindergarten bereits vertraute Altersmischung wird fortgeführt. Die ohnehin immer vorhandene Heterogenität der Schüler*innen wird nicht reduziert, sondern genutzt. Schulerfahrene, ältere Kinder lernen gemeinsam mit Schulanfänger*innen.
  • Die Kinder nehmen innerhalb ihrer Klasse – je nach Schulbesuchsdauer –  unterschiedliche soziale Rollen ein, die sie anders fordert und in der sie vielfältigere soziale Erfahrungen machen können, als das in einer jahrgangsreinen Klasse möglich ist. Diese wirken sich auf Selbstkonzept, soziale Anpassungsfähigkeit, Lernfreude und Anstrengungsbereitschaft aus. Diese sind in jahrgangsgemischten Klassen höher ausgeprägt als in jahrgangshomogenen.
  • Die Jahrgangsmischung erfordert eine veränderte Unterrichtsgestaltung, die differenzierter auf die Lernlage der Kinder eingeht und weniger frontal ausgerichtet ist. Auch davon profitieren die Kinder.
Erhebung der Lernausgangslage

Die Erhebung der Lernausgangslage stellt ein Kernelement der Flexiblen Grundschule dar. Zur Ermittlung des individuellen Lernstands der Schulanfängerinnen und -anfänger setzen die Lehrkräfte mit FIPS „Fähigkeitsindikatoren Primarschule“ ein computergestütztes und standardisiertes Verfahren ein. Anhand verschiedener Aufgabentypen wird der Kenntnisstand in den Bereichen Wortschatz, Lautbewusstsein, frühes Lesen und frühe Mathematik erfasst.

Die Eltern erhalten Rückmeldung über das Testergebnis ihres Kindes und die Lehrkraft plant auf Grundlage der Ergebnisse den Unterricht und spezielle Fördermaßnahmen. Die Ergebnisse von FIPS können zudem Grundlage für Eltern- und Beratungsgespräche sein, wenn z. B. die Lernentwicklung thematisiert wird oder eine Entscheidung über die Verweildauer getroffen werden soll.

Flexible Eingangsstufe

In der flexiblen Eingangsstufe werden die Jahrgangsstufen 1 und 2 zusammengefasst und jahrgangsübergreifend unterrichtet. Ausgehend von den individuellen Kenntnissen der einzelnen Schülerinnen und Schüler steht ein pädagogisches Konzept im Mittelpunkt, das auf Differenzierung und Individualisierung ausgerichtet ist. Mit offenen Unterrichtsformen, guten Aufgaben, die allen Kindern ein Arbeiten auf verschiedenen Niveaustufen ermöglichen, und einer Unterrichtsmethodik, die das individuelle Lerntempo berücksichtigt, wird der Heterogenität Rechnung getragen.

Flexible Verweildauer

Durch die Möglichkeit einer ein-,  zwei- oder dreijährigen Verweildauer in der Eingangsstufe wird sichergestellt, dass alle Schüler über die für den Übergang in Jahrgangsstufe 3 erforderlichen Kompetenzen verfügen. Je nach Verweildauer in der Eingangsstufe besuchen die Kinder die Flexible Grundschule demnach zwischen 3 und 5 Jahren. Weitere Informationen zur Flexiblen Grundschule finden Sie beim Bildungspakt Bayern.

Lerngespräche

Ursprünglich war das dokumentierte Lernentwicklungsgespräch fester Bestandteil der Flexiblen Grundschule. Aufgrund der sehr positiven Erfahrungen damit, haben inzwischen alle Grundschulen in Bayern die Möglichkeit, bestimmte Zeugnisse durch ein Lerngespräch zu ersetzen.

Vor dem Gespräch

Die Kinder füllen einen Selbsteinschätzungsbogen aus, den „Ich-Bogen“.  Die Eltern unterstützen ihr Kind beim Ausfüllen des Bogens, lassen es aber seine eigenen Einschätzungen eintragen. Die Lehrer füllen den Beobachtungsbogen aus, den „Du-Bogen“.

Während des Gesprächs

Kind, Lehrkraft und Eltern treffen sich zu einem gemeinsam vereinbarten Gesprächstermin.  Im Gespräch werden die persönlichen Stärken des Kindes erörtert, die Einschätzungen auf den Gesprächsbögen verglichen und gemeinsame Zielvereinbarungen formuliert.

Nach dem Gespräch

Die gemeinsam überarbeiteten Gesprächsbögen bekommen die Kinder am Zeugnistag mit nach Hause. Damit jedes Kind seine Zielvereinbarungen leichter im Blick behalten kann, bekommt es von der Lehrkraft eine sogenannte Zielrakete, ein Kärtchen mit den Vereinbarungen, das es im Mäppchen aufbewahren und immer wieder anschauen soll. Im Jahreszeugnis gibt die Lehrkraft eine Rückmeldung über die Zielerreichung.